Es ist ein gewöhnlicher Heimspieltag auf dem Juchhof. Und doch erzählt dieser Samstag viel über einen Verein, der mehr ist als nur ein Fussballclub. Der Ball steht zwar im Zentrum, aber um den Ball hat sich über die Jahre ein Netzwerk von Familien, Fans, Sponsoren, Spielern und vielen Kindern gebildet. «Der FC Kosova Zürich ist meine zweite Familie», sagt Präsident Nesret Limani.
Als der Verein 1994 gegründet wurde, sah die Welt ganz anders aus. Der FC Kosova Zürich war damals ein wichtiger Anker im Leben vieler Migranten und Migrantinnen aus dem Kosovo. Viele kamen auf der Flucht vor dem Krieg in die Schweiz. Es entstand ein Ort, an dem man sich versteht und die eigene Identität pflegt.
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Der FC Kosova Zürich wurde 1994 von albanischen Migranten gegründet. Aus einem Treffpunkt für die Diaspora entwickelte sich der erfolgreichste Migrantenverein der Schweiz. Als erster Migrantenclub schaffte er den Aufstieg in die 1. Liga und zählt heute über 200 aktive Spielerinnen und Spieler. Trotz seiner albanischen Wurzeln versteht sich der FC Kosova als offener Zürcher Verein, der Sport, Integration und Gemeinschaft verbindet.
Die erste Generation gründete den Klub. Die zweite führt ihn, die dritte spielt mittlerweile in den Juniorenteams. «Wir sind von einem Migrantenverein zu einem Stadtzürcher Verein geworden», sagt Limani. Gleichzeitig wolle man die eigenen Wurzeln nicht vergessen. «Die Herkunft bleibt Teil unserer Identität.»
Die 1. Mannschaft spiegelt diesen Wandel wider. Spanier, Portugiesen, Schweizer, Kroaten und Kosovaren spielen zusammen. Trainer Emilio Gesteiro, selbst Sohn spanischer Migranten, beschreibt die Atmosphäre als aussergewöhnlich. «Vom Helfer bis zum Spieler spürt man den Zusammenhalt.»
Mehr als 90 Minuten
Wer an diesem Nachmittag das Leben rund um den Platz beobachtet, versteht, warum das Wort «Familie» in den Gesprächen immer wieder fällt. Kinder rennen zwischen den Zuschauern herum, Grosseltern verfolgen das Spiel und Sponsoren treffen sich bei einem Anlass. Einer von ihnen ist Fadil Kqiku. Er kennt den Verein seit den Anfängen und trug als junger Spieler das Trikot des FC Kosova.
Heute unterstützt er den Verein finanziell mit seiner Spitex-Firma. «Es ist ein Ort der Begegnung», sagt er. «Hier treffen sich Menschen unterschiedlichster Herkunft. Genau das macht den Verein aus.»
Stolz auf den Namen – trotz Vorurteilen
Der Name «Kosova» ist für viele Vereinsmitglieder Identität und Stolz. Gleichzeitig wissen sie, dass er Vorurteile auslösen kann. Trainer Gesteiro spricht offen darüber. Immer wieder stelle er fest, dass Menschen den Verein mit Klischees verbinden. «Man kämpft manchmal mit dem Namen. Dabei haben wir einen sehr fairen Verein und eine durchmischte Mannschaft.»
Offenheit sei ein zentraler Teil der Vereinsphilosophie, betonen Trainer, Spieler und Fans immer wieder im Gespräch. «Es spielt keine Rolle, welche Herkunft jemand hat», sagt beispielsweise Arbenita Limani, die Ehefrau des Präsidenten. «Wir empfangen jeden mit offenen Armen.»
Diese Offenheit zeigt sich nicht nur bei den Spielern, sondern auch im Vereinsleben. Deutsch ist die Hauptsprache. Viele Mitglieder sprechen zusätzlich Albanisch, aber auch Spanisch, Portugiesisch oder andere Sprachen.
Die Gesichter des FC Kosova
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Bild 1 von 4. Wenige Minuten vor Spielbeginn herrscht in der Garderobe des FC Kosova Zürich geschäftige Ruhe. Zwischen den letzten Anweisungen bereiten sich die Spieler auf die Partie gegen den SV Schaffhausen vor. Bildquelle: SRF/Peter Schürmann.
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Bild 2 von 4. Spieler des FC Kosova Zürich und des SV Schaffhausen warten vor dem gemeinsamen Einlauf auf den Anpfiff. Die Partie im Juchhof endete torlos mit einem 0:0. Bildquelle: SRF/Peter Schürmann.
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Bild 3 von 4. Francisco Rodríguez, der jüngste der drei Rodríguez-Brüder, spielte unter anderem für den FC Zürich und den VfL Wolfsburg. Beim FC Kosova Zürich steht er heute gemeinsam mit seinem Bruder Roberto auf dem Platz. Bruder Ricardo gehört seit Jahren zu den Stützen der Schweizer Nationalmannschaft. Bildquelle: SRF/Peter Schürmann.
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Bild 4 von 4. Captain Ruhan Foniqi trägt seit Jahren das Trikot des FC Kosova Zürich. Der im Kosovo geborene Verteidiger ist einer der Führungsspieler der ersten Mannschaft und verkörpert den familiären Geist des Vereins wie kaum ein anderer. Bildquelle: SRF/Peter Schürmann.
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Der FC Kosova Zürich ist heute weniger durch die Herkunft geprägt, sondern vielmehr durch eine offene Gemeinschaft.
Der Blick nach vorne
Der Blick nach vorn reicht über den Männerfussball hinaus. Ein grosses Ziel sei, sagt Arbenita Limani, der Aufbau einer Frauen- beziehungsweise Mädchenabteilung. Und sportlich träumt der FC Kosova Zürich vom Aufstieg. Gleichzeitig soll aber der Charakter des Vereins erhalten bleiben. Denn am Ende geht es beim FC Kosova Zürich um etwas, das man nicht in einer Fussballtabelle findet: um Zugehörigkeit.