Es war ein bemerkenswerter Satz von Donald Trump: Er nannte einen Telefonanruf von Minnesotas Gouverneur Tim Walz «sehr gut» und schrieb, er und Walz schienen «auf einer Wellenlänge» zu sein. Nach all den vorangegangenen Anschuldigungen aus dem Weissen Haus tönte das wie eine 180-Grad-Kehrtwende.
Später telefonierte Trump auch mit Minneapolis’ Bürgermeister Jacob Frey, und auch dieser sprach danach gegenüber Mitgliedern des Stadtrats von einem «guten Gespräch».
«It's f**ked»
Das Nachrichtenportal Axios zitiert einen Regierungsberater geradeheraus mit wenig druckreifen Worten: «It's f**ked, and POTUS knew he needed to unf**k it.» Also sinngemäss: Man sei «am Arsch», und der Präsident habe gewusst, dass er die Sache wieder in Ordnung bringen müsse.
Trump habe demnach den ganzen Sonntag damit verbracht, sich darüber zu beklagen, wie seine Regierung – allen voran die Ministerin für Innere Sicherheit, Kristi Noem, und der Leiter der Grenzpatrouille, Gregory Bovino – auf die erneute Tötung eines US-Bürgers durch Bundesbeamte reagiert habe.
Dabei waren schon in der Woche davor teilweise mildere Töne aus dem Weissen Haus zu hören gewesen. Noch am Tag vor seiner Abreise ans WEF nach Davos war Donald Trump überraschend im Pressesaal aufgetaucht, dort, wo sonst seine Sprecherin Karoline Leavitt steht. Trump zeigte Foto um Foto von angeblichen Verbrechern, die seine Einwanderungspolizei in Minnesota festgesetzt und ausgeschafft habe. Die Botschaft: Es geht um Kriminelle. Trumps Sorge, so hört man aus dem Umfeld des Weissen Hauses: Nur er könne diese Botschaft wirklich vermitteln.
Neue Töne, bisherige Politik
Im Weissen Haus ist man überzeugt, die richtige Politik zu verfolgen. Trump hat schliesslich die Wahlen unter anderem genau wegen des Themas Einwanderung so deutlich gewonnen, und er hat immer wieder exakt das angekündigt, was er nun umzusetzen versucht.
Aus Sicht des Weissen Hauses drohen die Bilder aus Minnesota vor allem anderen, diese Botschaft zu überdecken. Und: «Wir können in Minnesota nicht verlieren. Denn wenn wir in Minnesota verlieren, verlieren wir auch in Chicago und in Los Angeles», zitiert Axios nochmals den Regierungsberater.
Pascal Weber
USA-Korrespondent
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Pascal Weber arbeitet seit 1999 für SRF. Er studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht an der Universität Zürich (Lizentiat). Von 2010 bis 2021 war er SRF‑Nahostkorrespondent und lebte über elf Jahre in Tel Aviv, Kairo und Beirut – unter anderem während des Arabischen Frühlings, des Syrienkriegs und des US‑Abzugs aus Afghanistan. Er hat zwei Bücher veröffentlicht und arbeitet heute als USA‑Korrespondent in Washington.