Darum geht es: Wöchentlich am Dienstag erhebt das Bundesamt für Statistik die Todesfälle, welche die Kantone melden (Sterblichkeit, Todesursachen | Bundesamt für Statistik – BFS). Für den laufenden Monat Januar zeigt dieses Mortalitätsmonitoring des BFS einen erstaunlichen Peak: Im Schnitt sind jede Woche rund 20 Prozent mehr Menschen im Alter über 65 gestorben, als aufgrund der Vorjahres-Statistiken zu erwarten war. Fachleute vermuten hinter dieser Übersterblichkeit bei den Über-65-Jährigen die Grippe. Diese grassiert in der laufenden Saison besonders heftig.
Das zeigen die Zahlen: Das Bild ist deutlich: Die Todesfälle bei den Über-65-Jährigen im Januar 2026 decken sich mit der Entwicklung der Influenza-Fälle, die das Bundesamt für Gesundheit erhebt (BAG-Infoportal übertragbare Krankheiten). Die Fallkurve steigt im Dezember steil an, die Todesfälle folgen im Januar ebenfalls mit einem steilen Anstieg.
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Bild 1 von 2. Die Todesfälle in der Schweiz werden vom Bundesamt für Statistik wöchentlich erfasst. Durch das Monitoring können Übersterblichkeitsperioden erkannt werden. Stand: 20.01.2026 . Bildquelle: Quelle: BFS – Todesursachenstatistik.
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Bild 2 von 2. Zeitliche Entwicklung der gemeldeten Influenza-Fälle pro Woche in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Stand: 20.01.2026 . Bildquelle: Quelle: BAG – Obligatorisches Meldesystem.
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Das beweist zwar nicht eindeutig, dass die Grippe schuld ist an der Übersterblichkeit; genaue Zahlen zu den Todesursachen publiziert das BFS frühestens am Ende eines Folgejahres, das heisst, die Zahlen zu den Grippetoten 2026 werden frühestens Ende 2027 verfügbar sein. Aber die Indizien, so sagen Epidemiologen, weisen sehr stark darauf hin, dass die jetzige Übersterblichkeit der aktuellen Grippewelle zuzuschreiben ist. In anderen europäischen Ländern zeichnet sich der gleiche Trend ab: eine erhöhte Mortalität in der Gruppe der Über-65-Jährigen (Grafiken Euromomo).
Die Rolle des Virus: Ist das aktuell zirkulierende Grippevirus «virulenter», also aggressiver als in anderen Jahren? Macht es den Organismus kränker, löst es bei Vorerkrankungen schwerere Komplikationen aus als üblich? Nein, sagen Fachleute. Zwar zirkulieren in der laufenden Saison neue Subtypen des Grippevirus, prominent etwa die Klade H3N2. Doch es gebe keine Hinweise, dass diese neuen Varianten zu schwereren Verläufen führten, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO. In der Schweiz berichten die Spitäler gemäss BAG von mehr Influenza-Fällen als üblich, «aber nicht unbedingt von mehr schweren Verläufen», sagt Simon Ming, Mediensprecher des BAG.
So gut wirkt die Grippeimpfung: Die Grippe-Hospitalisationsraten waren bei nicht-geimpften Personen signifikant höher als bei geimpften älteren Personen, stellt das BAG fest. Auch wenn die Grippeimpfung nicht zu 100 Prozent schütze, zeige sie dennoch einen «klar positiven Effekt der Grippeimpfung für die laufende Saison», schreibt Simon Ming. Die Impfrate in der Gruppe der Über-65-Jährigen liegt in der Schweiz bei knapp 40 Prozent, laut einer Erhebung von 2022. Neue Zahlen werden 2027 publiziert.
Gründe für die Übersterblichkeit: Das starke Auftreten der Grippewelle liegt eher daran, dass sich die neuen Virusvarianten offenbar stärker ausbreiten können, so das BAG. Das Virus könne die Immunabwehr besser umgehen, vor allem bei ungeimpften Senioren. Das bedeutet: mehr Erkrankungen – und folglich mehr Todesfälle.
Die gute Nachricht ist: Der Höhepunkt der Grippewelle in der Schweiz scheint überstanden.